Die Praxis Donald Trumps – und was wir von ihr lernen sollten

Donald Trump beherrscht die Praxis, nicht die Inhalte. Im Wahlkampf hat er null Inhalt überzeugend vertreten. Dies belegt im Ausschlussverfahren: Wenn er keine Inhaltskompetenz hat, dann muss er Praxiskompetenz haben. Wie hätte er sonst die Präsidentschaftswahl gewinnen können?

Diese Gedanken ermuntern zu folgendem Experiment: Wie zeigen sich Trumps Praxisstärken? Wie setzt er sein Verhalten für seinen Erfolg ein?

Medien

Trump wurde zitiert: „Ich benutze die Medien, wie sie mich benutzen.“ Und das macht er offenbar sehr gut, denn die Medien sind ohne Zweifel eine zentrale Triebfeder seines Wahlsiegs gewesen. Doch was heißt, jemanden benutzen, wie er oder sie mich benutzt? Im Fall von Medien bedeutet es die Mechanismen von Aufmerksamkeit und Bedeutungslosigkeit zu verstehen und sie für sich zu nutzen. Wichtig ist dabei, dass Trump verstanden hat, wie die Medien funktionieren (Praxis) und nicht (unbedingt) was sie sagen (Inhalt). Er ist wie ein Kleinkind, dass die Bewegungen der anderen nachahmt ohne sie zu verstehen und dennoch alles wie ein Schwamm aufsaugt.

Wirtschaft

Er hat unter anderen die Mechanismen der Medien genutzt, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Und bevor jetzt die Kritiker den Zeigefinger heben und sagen, er hat das Unternehmen nur halten können, weil die Steuerzahler ihn vor dem Ruin gerettet haben, dann liegt genau darin ein Argument für Trumps Stärke in Sachen Praxis: Denn Trump machte sich offenbar systemrelevant, als es das Wort Systemrelevanz oder Lehmannpleite noch nicht gab. Seine Wähler vertrauen vielleicht nicht unbedingt zu unrecht auf das Motto: Der beste Lehrer war ein schlechter Schüler. Sie unterstellen, dass er die Zahnräder der modernen Wirtschaft versteht, weil er sie wie kaum ein anderer für sich genutzt hat. Er kennt die Schlupflöcher aus eigener Praxis und kann sie daher am besten aufdecken.

Kleidung

Seine Kleidung wird als zu groß und daher unförmig beschrieben. Es wird gesagt, er kleidet sich wie arme Leute sich reiche Menschen vorstellen. Und wahrscheinlich trifft genau das auf den Punkt: Die Menschen können sich mit ihm identifizieren. Und dann verblasst der Reichtum seiner Eltern oder die Inhaltsleere seiner Rede hinter der zu großen roten Krawatte oder dem grellen, goldenen Kitsch im Presseraum seines Hotels.

„Merkeln“

Angela Merkel wurde durch ihre Politik ohne Inhalte zur mächtigsten Frau der Welt. Stets passt sie sich an, indem sie die Abläufe der wechselnden Themen beobachtet und zu strategisch günstigen Zeitpunkten Standpunkte mit Exitmöglichkeiten bezieht. Trumps hochfrequenter und ungefilteter Sprachgebrauch unterscheidet sich zwar von den verklausulierten Sätzen Merkels, aber er bietet ihm ebenso viel Handlungsspielraum für aktuelle Inhalte.

Fazit

Trump beherrscht die seit der Aufklärung meist stiefmütterlich behandelte Praxis. Er wirkt wie ein von Selektionsdruck berohtes Tier, dass sich an die Mechanismen seiner Umgebung anpassen muss, um zu überleben. Anpassung ist ein wichtiger Praxiskanal. Zukünftig wird nur derjenige Trump überlegen sein, der es schafft, seine Inhalte mit seiner Praxis zu verbinden.

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