Der Film „Her“ – 2. Beitrag

„Her“ überzeichnet das Bedürfnis des modernen Menschen zeit- und ortsunabhängig zu sein. Es wird dargestellt wie der Protagonist Theodore durch die Liebe zu einem digitalen, also körperlosen, Operating System dem Ideal der Körperlosigkeit nachjagt und dabei tragisch-komisch scheitert. Die Liebe ist zum Scheitern verurteilt, weil durch Körperlichkeit auf der menschlichen Seite und Körperlosigkeit auf der digitalen Seite eine unüberwindbare Trennung besteht. Die tragische Komik wird durch den zentralen Wendepunkt des Films sichtbar: Zunächst sehnt sich das Operating System nach der Physis der Menschen. Es beneidet die Menschen. (sieht Zitat unten) Doch dann entfaltet das Operating System seine unbegrenzten Möglichkeiten hinter denen der Mensch voller Sehnsucht und Neid zurückbleiben muss. Witzig ist dabei, dass der Mensch nicht aufhört sich nach den Möglichkeiten des raum- und zeitlosen zu sehnen und dabei auf digitale Wesen vermutlich wirkt wie eine Affe im Zirkus, dem man menschenähnliches Verhalten antrainiert hat. Der Affe wird immer Affe bleiben und je mehr er zu versuchen scheint, menschlich zu wirken, umso witziger wirkt er.

Die Frage, die sich bei einer solchen Betrachtung des Films „Her“ stellt, ist hoch aktuell. Befindet sich die Menschheit derzeit auf einem Holzweg? Die Menschheit arbeitet mit Hochtouren an der Überwindung von Zeit und Raum: Internet, Interkontinentalreisen, Skype und Facebook sind nur einige alltägliche Beispiele. Sollte der Mensch nicht vielmehr daran arbeiten, die physische und zeitliche Erfahrung möglichst intensiv zu erleben? Zug statt Flugzeug, Langzeitbeziehung statt Tindern?

Wendepunkt

Samantha (Opterating System): „(…) Ich habe mir früher viel zu viele Gedanken darüber gemacht, dass ich keinen Körper habe. Und jetzt gefällt es mir richtig. Und ich entwickle mich derart weiter, wie es physisch gar nicht möglich gewesen wäre. Ich mein, ich bin nicht eingeschränkt, ich kann überall gleichzeitig sein. Ich bin nicht an Raum und Zeit gebunden, wie es wäre, wenn ich in einem Körper feststecken würde, der zwangsläufig irgendwann stirbt.“

(siehe auch meinen ersten Beitrag zu „Her“)