Memento – Die Unterscheidung von Vergangenheit und Zukunft auflösen

Machen Vergangenheit und Zukunft einen Unterschied? Im ersten Moment wird darauf wohl jeder mit „Ja“ antworten. Vergangenheit ist halt das, was bereits passiert ist und Zukunft ist das, was noch nicht passiert ist.
Daran wird sich wohl auch nie etwas ändern lassen. Dennoch entwickelt man durch den Film „Memento“ ein anderes Verhältnis zu diesen beiden Zeitebenen. Denn vom Zeitpunkt der Gegenwart betrachtet, sind sowohl Vergangenheit als auch Zukunft  fiktive Narrative. Denn niemand kann die Vergangenheit in seiner vollen Realität abbilden. Dass dies für die Zukunft gilt, akzeptieren wir sofort. Doch es gilt eben auch für die Vergangenheit. Psychologen bestätigen dies, indem sie das menschliche Gedächtnis als dynamisch beschreiben. Und Historiker behandeln die Aussagen von Zeitzeugen aus diesem Grund stiefmütterlich.
Versuche es einmal selbst: Zuerst erinnerst du dich an deine letzten 5 Tage. Dann erinnerst du dich an deine zukünftigen 5 Tage. Sicherlich wirst du Unterschiede in der Art und Weise der jeweiligen Erinnerung feststellen. Aber warum eigentlich? Der Punkt ist: Wenn du die Zukunft in einer Gewissheit erinnerst, die du deiner Vergangenheit zugestehst, dann entwickelst du mehr Selbstsicherheit gegenüber deinen Zielen. Du wirst zuversichtlicher und unternehmungslustiger.
Gleichzeitig solltest du einmal versuchen, die Vergangenheit mit der gleichen Ungewissheit zu erinnern, die du der Zukunft zuschreibst. Es führt zu einem spielerischeren Umgang mit deiner Vergangenheit und mit dem, der du bist.

Fazit: Vergangenheit und Zukunft machen keinen Unterschied, wenn wir sie vom Zeitpunkt der Gegenwart betrachten. Diese Erkenntnis ermöglicht einen freieren, spielerischeren Umgang mit den beiden Zeitebenen. Unsere Kultur hat uns geprägt, dies anders zu sehen: Wir neigen dazu, die Vergangenheit als Folge von Tatsachen zu betrachten und die Zukunft als unbestimmt. Vergangenheit und Zukunft stehen sich in unserer Kultur wie zwei gegensätzliche Pole von bestimmt (Vergangenheit) und unbestimmt (Zukunft) gegenüber. Dies muss nicht so sein. Das Kunstwerk Memento führt das vor.