Dr. House – Systemische Prozesse

In meinem ersten Beitrag über Dr. House, habe ich beschrieben, dass Dr. House ein sehr guter Diagnostiker ist, weil er sich auf die Rhythmik der Krankheit und des Umfeldes einlässt. Dies will ich anhand der 9. Folge der 6. Staffel genauer untersuchen.

In dieser Folge geht es um einen Patienten, der sich durch die regelmäßige, überdosierte Einnahme von Hustenblockern dumm macht („Robotripping“), um mit seiner Frau glücklich zu sein. Erst als er dumm ist kann er mit seiner durchschnittlich intelligenten Frau glücklich sein. Der Patient verheimlicht diese Dummmach-Strategie, sodass die Ärzte zunächst im Trüben fischen. Dr. House gelingt es, diese Strategie zu erkennen, als er sein eigenes privates Umfeld intrigiert und dies mit Hilfe einer vorgetäuschten Trunkenheit verschleiert. Sein Gegenüber fällt auf ihn herein, wie die Ärzte auf den Patienten. Doch nun ist die Strategie sozusagen durch Selbsterfahrung durchschaut.

Interessant, dass House die Strategie selbst anwendet und sie erst dann rational beim Patienten aufdeckt. Folglich bringt ihn der Patient auf die Idee, sich durch vorgetäuschte Trunkenheit Narrenfreiheit zu ergaunern. Er hat sich also von seinem (Patienten-) Fall manipulieren lassen. Dies zeigt hohen Respekt vor der Intelligenz der Krankheit. Des weiteren beruht  jede Beziehung auf Wechselwirkungen, so auch die zwischen Arzt und Patient. Natürlich lässt House dies kalt, wenn er in der Ambulanz Erkältungen und Prellungen behandeln muss. Doch wenn er die Ursachen einer heimtückischen, raffinierten Krankheit herausfinden muss, fordert er sie heraus, mit ihm zu kommunizieren.

Es kommt im Plot zu einer weiteren Wendung. Die Ärzte hatten von Anfang an den Verdacht auf TTP, weshalb sie dem Patienten gleich zu Beginn der Behandlung die Milz entfernten. Ab diesem Moment wird vom gesamten Team natürlich eine Ursache, die in Verbindung mit der Milz steht ausgeschlossen. Doch auch hier haben wir es mit einer Täuschung zu tun. Der mürrische Arzt findet heraus, dass durch einen lange zurückliegenden Suizidversuch und daraus resultierenden Rippenbrüchen, Nebenmilzen entstanden sind. Dr. House lässt diesmal nicht sich selbst, sondern seinen Assistenzarzt Chase von der Krankheit manipulieren: Chase schlägt House scheinbar wütend ins Gesicht, damit alle anderen Teammitglieder auf Distanz zu ihm gehen und ihn nicht mehr wegen seiner gescheiterten Beziehung umsorgen wollen. Chase spiegelt die Systematik der Krankheit, da es ihm gelingt, dass gesamte restliche Team in die Irre zu führen, wie es zuvor die Krankheit schaffte. Dr. House steht symbolisch für die Milz, die durch den Schlag ins Gesicht entfernt wird. Die Kollegen sind die Nebenmilzen, die durch die Entfernung der einen Milz nun im Verborgenen bleiben. Chase hat von der Krankheit gelernt.